Jeder Schuß ein Treffer II

So sollte es eigentlich sein, mit der Pressefotografie. Doch die Wirklichkeit ist grausam, Sollen und Wollen sind ihr total egal.

Noch immer auf der Suche nach Fotos für ein Porträt zweier Galeristinnen rufe ich die PR-Frau des Architekten an, der die Galerienräume ausstattete. Es ist durchaus ein renommiertes Architekten-Büro, das sich gerade in der Ausgestaltung von Galerie-Räumen für internationale Kunstschauen einen Namen gemacht hat. Die PR-Frau arbeitet halbtags, aber immerhin haben sie eine. Ich frage nach Informationen bezüglich des Konzeptes der Ausgestaltung, der stilistischen Besonderheiten des Hauses etc. UND NACH BILDERN. Klar lasse ich durchscheinen, den Namen der Architekten auch im Artikel zu nennen (ja, die Verzweiflung), falls man mir weiterhelfen könnte. Gerne stellt man mir einen kurzen Text zur Verfügung, den die PR-Frau allerdings noch schreiben muss (was nicht ungewöhnlich ist) und FOTOS. Ich freue mich. Ich freue mich und sage das der PR-Frau. Zwei Wochen lang höre ich nichts, telefoniere kurz mit einer Mitarbeiterin (denn die PR-Frau ist um 14 Uhr schon wieder weg vom Schreibtisch), um mich in Erinnerung zu rufen. Sage, es ist nicht eilig, aber man möge mich doch über den Stand in Kenntnis bringen. Alles läuft, ich lege beruhigt auf.

Ein Woche später rufe ich an und sage, okay, noch eine Woche, dann ist Redaktionsschluß – wie weit die PR-Frau denn wäre? Sie ruft mich zurück und sagt, sie hätte nicht gewusst, daß das jetzt so eilig wäre. Der Text soll also bis Freitag stehen, die FOTOS sind allerdings gemacht. Sie sind nur noch in der Retusche. ICH FREUE MICH WIRKLICH SEHR und sage das auch. Zu früh. Viel zu früh.

Zwei Stunden später ruft mich ein Fotograf an. Er sagt, er habe Fotos zu einer Galerie für die Architekten angefertigt. Er wolle Honorar, aber mindestens ab 50 Euro aufwärts. Die PR-Frau hätte ihm meine Nummer gegeben. Die Fotos will er nämlich nicht so ohne weiteres freigeben. Hrmpf. Das ist das einzige, was mir dazu einfällt – oder übersetzt:

DIE engagieren einen Fotografen, den ICH bezahlen soll? Habe ich etwas verpasst und ich bin jetzt eine PR-Frau eines renommierten Architekturbüros?

Doch die grundlegendere Frage ist eigentlich eine andere: Warum bin ich als freie Autorin gezwungen, honorarfreie Fotos auf biegen und brechen besorgen zu müssen, weil der Verlag kein Geld ausgeben will, aber INHALTE MIT FOTOS abdrucken will? Ich hatte nämlich schon vor meinem Interview mit den Galeristinnen meiner Chefredakteurin angeboten, eine Fotografin für 40 Euro (! und immer noch Freundschaftsdienst) zu engagieren. Sie verneinte. Und nu engagieren schon die PR-Frauen in meinem Namen Fotografen, die das Doppelte kosten. Dieser kapitalistische Mechanismus will sich mir nicht so recht erschließen…

0 Antworten zu “Jeder Schuß ein Treffer II”



  1. No Comments Yet

Einen Kommentar schreiben