… on reset: Mit welchen linguistischen Monströsitäten hat eigentlich eine Servicekraft in der Gastronomie zu tun? Und gibt es eigentlich noch einen stressigeren Job, als den des freien Journalisten? Frau P. erzählt aus ihrem Alltag - ein Protokoll:
“Bin ja echt fit in meinem Job und verdammt stressresistent noch dazu. Heute gab es aber mal so ne knappe Stunde, da wusste ich echt nicht mehr, wo mir der Kopf steht.Hatte Theke und von allen Ecken kamen sie angewatschelt, die Bonmaschine ratterte ohne Ende. Hatte die erste Kippe erst nach vier Stunden und auch die nur mal so schnell reingezüllt. Tja, die Terrassensaison ist damit offiziell eröffnet. Und von wegen um zwei Uhr nachts schon rauskommen. Pff. Küche ist bis halb zwei. Um fünf Minuten vor halb zwei pflanzt sich da noch mal so eine zehner Personengruppe an nen Tisch. Dachte echt, ich dreh gleich durch.
Lieber Gast, ich weiß Du hast Hunger und ich weiß, Du hast es mordseilig, aber darf ich vielleicht auch mal ins Bad gehen oder was? Ja, und wenn ich zurückkomme muss ich trotzdem jetzt erstmal meine Schürze anlegen, bevor ich Deinen Milchkaffee mache, verstanden?! Naja, morgen noch mal ein überschaubarer Wahnsinn (vorausgesetzt wir sind vollzählig besetzt - was eher unwahrscheinlich ist) und dann gönne ich mir wohlverdient eine Portion Sushi am Sonntag, scheiß auf das Trinkgeld, das ich eigentlich zum Dispoausgleich regelmäßig einzahlen sollte…
Und was für Tröten unterwegs sind. Also, wer bei mir in der mittlerweile sehr globalisierten Welt (zumindest europaweit) noch einen Tschaiäntei bestellt, hat bei mir schon mal echt verschissen (damit war übrigens ein Chianti gemeint, das muss man auch erstmal kapieren. Sehr schön auch: nen Grikko - da dürft ihr nun selber drauf kommen…..) Manchen Gästen würde ein Besuch beim Italiener um die Ecke nicht schaden, nicht wahr? Oder hier: Türkei-Burger (seit auf MTV kein englisch mehr palavert wird, ist die Jugend ja auch hilflos), gemeint ist ein Turkey-Burger (!!!!) “Ich will keine French Fries, ich will Pommes, geht das?” - ohne Worte. Muss mich schon auf Thai teilweise durch den Abend quälen, da sollte mal ein Englisch drin sein (gerne auch mit deutschem Akzent, kein Problem, da gewöhnt man sich ja dran). Und noch eine Notiz an meinen letzten Gast heute: Nein, im Desperados ist kein Tequila drin, das heißt ja auch “Tequila-flavoured-beer” und nicht “Beer with Tequila”. Aber das mit dem Englisch hatten wir ja schon. In knappen 12 Stunden darf ich wieder ran, diesmal im Thai-Restaurant, jippiieeeh! (wir haben gerade eine Suppe auf der Wochenkarte mit Nudeln und Schweinefleisch, die “Po Bac” heißt. Sprich das einmal laut aus und Du weißt, was morgen auf mich wartet. Jeder Gast denkt ja auch, er wäre der erste, der dieses echt lustige Wortspiel als erster entdeckt hat, vor-Langeweile-und-schlechtem-Humor-einschlaf.
In diesem Sinne…”
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