Eine gut aufgestellte Regionalzeitung suchte letzte Woche händeringend nach Volontären.
Gerade als marktwirtschaftlich frisch gebackene freie Journalistin ist man noch gewillt, den letzten Zuckungen nach einer festen Stelle mit einer ebensolchen festen Anstellung als Volontär beizukommen. Gesagt, getan: Nach einem überaus aufgeschlossenen Gespräch mit dem stellvertretendem Chefredakteur schrieb ich noch am selben Tag meine Bewerbung, das war Mittwoche letzte Woche. Obwohl diese Stelle in genau 14 Tagen, also am 1. Mai, angetreten werden sollte. Aber als Generation “Flexibel” nahm ich die Gefahr, drei Monate lang eine doppelte Miete zu bezahlen, den Umzug innerhalb von drei Tagen zu vollziehen, darüberhinaus alle arbeitsrechtlichen Verbindungen am Wohnort zu kappen und sich überhaupt auf einen neuen Lebensmittelpunkt einzustellen, in Kauf.
Heute, genau eine Woche später, finde ich meine Bewerbungsmappe mit roher Gewalt in den Briefkasten gestopft (dieser Anblick setzt der Enttäuschung noch das Gefühl der Wertlosigkeit hinzu). Eine kurze Absage als Brief im Innern, wie immer.
Trotzdem brennt es mir doch auf den Nägeln und weil der stellvertretende Chefredakteur zuletzt so aufgeschlossen war, will ich doch erfahren, woran es bei mir immer hakt. Off the record sozusagen. Er erklärt sich zu einem Gespräch bereit, jedoch bremst er gleich ab, da eine Begründung der Ablehnung meiner Bewerbung das Antidiskriminierungsgesetz verbietet. Überhaupt könne er sich an meine Bewerbung nicht erinnern. Als ich trotzdem nachhake und versichere, es ginge allein um einen Hinweis, wie ich mein Profil für zukünftige Bewerbungen verbessern könnte, gibt er Antwort.
Er nehme an, es liegt an meiner Ausrichtung zum Kulturjournalismus.
Hrmpf. Irgendwie werde ich trotzdem das Gefühl nicht los, hätte ich Politikwissenschaften oder Wirtschaft studiert, wäre eine monothematische Ausrichtung des Profils ein geringes Problem gewesen. Es ist zum Haareraufen.
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