Den Unterschied zwischen Content und Inhalt…

…kann man mitunter mit dem Unterschied zwischen Human Resources und Personalführung vergleichen. Während das letztere auf einer verantwortlichen Ebene handelt und direkt das Subjekt, mit dem es zu tun hat, in die Planung von Arbeitsprozessen einbezieht, ist dem anderen durch die Anonymisierung der Subjekte Tür und Tor für deren Ausbeutung eröffnet.

Warum diese marxistische Überbau? Weil sich Verlage den Mehrwert der journalistischen Arbeit zu Nutze machen, ohne die Urheber dieser Leistungen adäquat zu bezahlen. Dazu gehört auch, für eine Zeile mit 40 Anschlägen gerade mal 55 Cent zu bezahlen. Ein Berufsanfänger mag das ja noch hinnehmen, weil er es ja als wunderbaren Referenztext benutzen kann, um andere Aufträge zu akquirieren. Es hört jedoch bei dem auf, was man tatsächlich als Ausbeutung geistiger Ressourcen bezeichnen kann. Nämlich wenn der Verlag samt der Korrekturfahne eine Vertrag zuschickt, der - was nicht abgesprochen war, allerdings für manche Verlage schon als Selbstverständlichkeit gilt - den Verlag dazu befähigt, den Artikel Online auszuwerten. Freilich für umsonst. Was einem Berufsanfänger wiederum den Weg verbaut, den Text auch anderweitig anzubieten und damit die Kosten für seine Arbeit zu decken.

Was mich so wütend macht ist, daß aber noch nicht mal die Arbeit für diesen Verlag von ihm selbst adäquat als “Arbeit” angesehen wird. Nämlich wenn man zu meinem Artikel, äh, pardon, bei Unterschrift deren Artikel, einen Vorsetzer schreibt, der hahnebüchende Satzkonstruktionen beinhaltet. Tautologien zum Beispiel, bei dem mein Duden freiwillig vom Regal in den Papierkorb stürzt, oder einen Nominalstil, bei dem die Sprache zu Hofe verblasst.

Hey, ist doch nur Content. Da kommt es schon auf den Inhalt gar nicht an. Hat ja nur 100 Euro gekostet.

PS: Übrigens kosteten drei Bilder des von mir organisierten Fotografen 120 Euro. 20 Minuten Arbeit. Manchmal kann ich den Unmut der Print-Kollegen über die Fotografen nachvollziehen. Gerechtfertigt ist er ja dennoch nicht. Denn die “Knipser” wie sie ja unter der Hand genannt werden, zahlen ja nicht unser Honorar.

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