Man merkt als Journalist durchaus, ob ein Gesprächspartner mit den Medien vertraut ist, oder nicht. Da kann man grob in zwei Tendenzen unterscheiden: Entweder öffnet sich der Gesprächspartner völlig und ergießt sich bisweilen in einem Beichtzwang, der den Journalisten immer dazu anhalten sollte, diesen Menschen vor sich selbst zu schützen. Oder der Gesprächspartner macht dicht in der Vorstellung, vor ihm säße Carl Bernstein persönlich und würde ihm jedes Wort im Munde umdrehen wollen, um daraus DIE GESCHICHTE zum machen. Obwohl Gerade weil der Gesprächspartner über die Dackelzucht in Ostwestfalen-Lippe berichtet. Auch dann ist der Journalist eigentlich angehalten, den Lichtkegel im Artikel großzügiger zu fassen und die Engstirnigkeit seines Gepsprächspartners außen vor zu lassen.
Wenn man allerdings vor einem jungen Karrieristen sitzt, der sogar dem Journalisten das Gefühl gibt, er sollte überhaupt froh sein mit ihm sprechen zu dürfen können, sieht die Strategie schon anders aus. Dann setzt man diesem überaus selbstbewussten Gesprächspartner Statements vor die Nase, die er eigentlich hören will: daß er zur Elite gehört, zum Beispiel. Daß er deshalb doch dies und das niemals machen würde – dafür sei er doch schon viel zu weit oben.
Und schwupps hat man die besten O-Töne: nämlich die, die auch seine Ignoranz am besten widerspiegeln. Und da vergeht einem auch der Anspruch, denjenigen vor sich selbst schützen zu müssen. Auch wenn diese Statements auch noch nach Jahren online zu lesen sein werden…
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