Archiv für Februar 2008

Get a trip

Als ich in meinem Jahreshoroskop für 2008 die Worte gelesen habe “Sie werden reisen” hatte ich eigentlich New York oder wenigstens einer der zahlreichen europäischen Hauptstädte im Sinn. Stattdessen fahre ich nach Herford. Das ist die Stadt in Ostwestfalen-Lippe nahe Bielefeld. Ein Ort, an dem man ähnlich wie an Frankfurt (Oder) instinktiv glatt vorbeifahren will.

Tatsächlich haben die ein  Museum für aktuelle Kunst, was kein geringerer als der ehemalige documenta 9-Leiter Jan Hoet leitet. Mitten in der Provinz. Und wäre da nicht das Haus von Star-Architekt Frank O. Gehry - er konzipierte die in Stahl ummantelte und tanzende Haus Guggenheimmuseum in Bilboa - würde das MARTa, wie sich die Trias aus Museum, Forum und Veranstaltungszentrum nennt, wohl auch kein so großer Anziehungspunkt für Freunde zeitgenössischer Kunst sein.

Girls just wanna have fun!

Berlin Tegel, Wind bei 10 Grad Celsius, die Frisur hält. Der Flugzeug-Kapitän winkt mir aus seinem Cockpit zu, als ich die wackelige Treppe zu meinem Privat-Jet besteige. Wie gut, denke ich, daß selbst ich manchmal Frauenzeitschriften aufschlage… Schade nur, daß das Angebot nur für die Vereinigten Staaten gilt. Wo auch sonst!

Druck - kriegen und ausüben

Was tun, wenn man bei einer Pressestelle um einen Interviewtermin anfragt, zwei Tage lang (!) keine Antwort bekommt und der Pressesprecher den gesamten Zeitraum über auch telefonisch nicht erreichbar ist? Man zuckt bei jedem Handy-Klingeln zusammen, weil das ja der Redakteur sein könnte, der nachfragt, wann denn Frau X denn gedenkt, den Text endlich abzuliefern… Schon gar nicht davon zu sprechen, daß ja auch noch ein Fotograf sich Termine freihalten muss und wiederum auf einen Anruf von Frau X wartet. Frau X derweil musste auch andere Termine absagen, in der Hoffnung Angst, der Termin könnte so ad hoc zustande kommen und sie ständig auf der Türschwelle steht, um loszudüsen.

Randnotizen - Abseits der Majuskeln

Es gibt sie noch, leider. Absurde Sterbefälle. Wie den eines Arbeitslosen aus Hannover, der auf einem Hochsitz in Hungerstreik getreten war und dabei Tagebuch geführt hat - berichtete gestern die Associated Press. Der 58-jährige wurde vergangenen Freitag am Rande einer Waldwiese tot aufgefunden.

Strickfalle Interview

Man merkt als Journalist durchaus, ob ein Gesprächspartner mit den Medien vertraut ist, oder nicht. Da kann man grob in zwei Tendenzen unterscheiden: Entweder öffnet sich der Gesprächspartner völlig und ergießt sich bisweilen in einem Beichtzwang, der den Journalisten immer dazu anhalten sollte, diesen Menschen vor sich selbst zu schützen. Oder der Gesprächspartner macht dicht in der Vorstellung, vor ihm säße Carl Bernstein persönlich und würde ihm jedes Wort im Munde umdrehen wollen, um daraus DIE GESCHICHTE zum machen. Obwohl Gerade weil der Gesprächspartner über die Dackelzucht in Ostwestfalen-Lippe berichtet. Auch dann ist der Journalist eigentlich angehalten, den Lichtkegel im Artikel großzügiger zu fassen und die Engstirnigkeit seines Gepsprächspartners außen vor zu lassen.

Wenn man allerdings vor einem jungen Karrieristen sitzt, der sogar dem Journalisten das Gefühl gibt, er sollte überhaupt froh sein mit ihm sprechen zu dürfen können, sieht die Strategie schon anders aus. Dann setzt man diesem überaus selbstbewussten Gesprächspartner Statements vor die Nase, die er eigentlich hören will: daß er zur Elite gehört, zum Beispiel. Daß er deshalb doch dies und das niemals machen würde - dafür sei er doch schon viel zu weit oben.

Und schwupps hat man die besten O-Töne: nämlich die, die auch seine Ignoranz am besten widerspiegeln. Und da vergeht einem auch der Anspruch, denjenigen vor sich selbst schützen zu müssen.  Auch wenn diese Statements auch noch nach Jahren online zu lesen sein werden…

Portemmonaie

Die Talfahrt geht weiter. Diesmal mit satten 422 Euro Soll. Es gibt aber durchaus Licht am Horizont. Sogar so viel, daß ich Angst habe, die ganzen Artikel nicht zu schaffen - denn Fachartikel sind nun mal nicht eben so aus den Fingern zu saugen, sondern müssen gründlich recherchiert, die Interviews sorgfältig vorbereitet und nachbereitet werden. Zudem kommt noch die Kontaktpflege - es soll ja für die Informationsgeber möglichst  souverän wirken, gerade bei Berufsanfängern wichtig - und das Besorgen von Fotomaterial. Erst dann kommt das Beste - die Textproduktion. Und wenn ich mir vorstelle, daß ein richtiger Branchenkenner, also ein alter Hase, das alles zu Lesen bekommt, bekomme ich das Gefühl, Tag und Nacht lesen und recherchieren zu müssen…

Eigentlich…

müsste ich heute echt sauer sein, nachdem mich ein Interviewpartner hat sitzen lassen.

Bin ich aber nicht, weil ich dafür wegen ihm eine Digi-Kamera dabei hatte, um mich auf der Berlinale auszutoben.

12 Uhr nachmittags. Vier Kassen in den Arkaden am Potsdamer Platz.schlange-kasse-web1.jpg

Alles steht, die Tafeln werden rot bepunktet, was nichts anderes als den langsamen Ausverkauf der Filme bedeutet.

Alles steht, bis zur Straße…

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Und wer länger in der Nähe bleibt, so wie ich zum Beispiel, der kriegt noch ganz andere Sachen zu sehen. Auch ohne Akkreditierung. Alle Pressekonferenzen werden live auf eine Leinwand vor den Berlinale-Palast projiziert.

Zu sehen gab es da heute den größten Filmstar der Welt. Sharukh Khan.

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Und wen es noch länger auf den Füßen hält, der geht zum Seiteneingang des Hyatt-Hotels, in dessen ersten Stockwerk alle Pressekonferenzen gehalten werden.

Denn irgendwann müssen die Stars auch wieder die Pressekonferenz verlassen. Also stehe ich da mit einer Freundin und ungefähr 40 wirklich sehr speziellen Fans (”Wie, Du weißt nicht für welchen Film er gekommen ist!?” “Nein, Sharukh ist verheiratet. Und sehr glücklich!”).

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Und dann…

“Sharukh!” “Sharukh!” “Sharukh!”

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Then he leaves the building…

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“Er hat meine Hand berührt!!”, platzte es schließlich aus der Mitdreißigerin neben mir heraus. Da war Sharukh Khan schon um die Ecke gebogen…

Der Augenblick wird Stein. Lego-Stein.

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Das Original “Hinter dem Bahnhof von Saint-Lazare” stammt aus dem Jahr 1932 von Henri Cartier-Bresson. Ich hatte mal ein wunderschönes Plakat von Bresson, ist leider beim Umzug verloren gegangen. Hier also eine ganz witzige, wenn auch eine aufwändigere Version - nämlich die von Balakov.

You’re Welcome

Frau C.: Warum wurdest Du eingebürgert?

Ausländer: Warum nicht?

Frau C.: Naja, da könnte ja jeder kommen.

Ausländer: Kann ja auch. Du brauchst nur einen Aufenthaltstitel, eine Genehmigung, die Dir erlaubt, in dem Land zu leben und zu arbeiten. Du musst Dich aus eigener Arbeit unterhalten können. Du musst Dich bis zu einem gewissen Grad verständigen können. Du kannst aber auch ein Analphabet sein.

Frau C.: –