Als Freier weiß man es ja nie - ruft man telefonisch seinem Text hinterher, den man grad an seinen Redakteur geschickt hat, läuft man Gefahr denselbigen noch persönlich zu nerven. Also habe ich meinem Redakteur einen vollen Tag Zeit gelassen, auf meinen Text… zu spucken, ihn zu verschreddern, ihn in die Höhe zu loben oder ihn einfach abzudrucken. “Fehlende Kritik ist das Lob des Journalisten”, hat mir ein Sportjournalist mal vor einigen Jahren gesagt. Als meine Kurzreportage am nächsten Tag nicht in der Zeitung war, griff ich zum Hörer um zu erfahren, ob mein Redakteur den Text erhalten habe, weil ich so gar kein Feedback gekriegt habe. Und dann kam’s: “Ja, danke, ist in Ordnung sind nur’n paar sprachliche Fehler drin”. Jetzt mal - obacht - an alle Redakteure: Wir Freie merken, wenn ihr den Text bis dato noch nicht gelesen habt. Ist ja nicht schlimm, aber zugeben könnt ihr das doch. Stattdessen werden Fehler schon mal prophylaktisch angemerkt - nein, nein meine Herren (und Damen).
Tatsächlich hat er mich jetzt heute, zwei Tage nach Einreichen meines Textes (ja Zeitung ist gegen Online-Journalismus höchstaktuell) angerufen - sprachlich war nichts auszusetzen. Nur einen anderen Einstieg wollte er haben. Geht doch!
0 Antworten zu “Der Redakteur, das unbekannte Wesen”