Wer stehen bleibt kann rosten…

… und wer rennt kann sich verlaufen.

Es geht wieder aufwärts, was eigentlich heißt, dass es bleibt wie es ist, aber zumindest fühlt es sich jetzt besser an. Und manchmal rennt man halt panisch wie so ein Lemming durch die Gegend und ist drauf und dran, sich lauthals geronimo!-schreiend ins Meer zu stürzen. Ja, ich hätte gerne mehr Geld. Ja, ich hätte gerne mehr Stabilität. Ja, ich könnte mich arbeitslos melden und hätte ohne zu arbeiten genauso viel, wie mit viel nervenaufreibender Ackerei. Und vielleicht sogar eine lichte Wohnung. Aber dann lese ich so etwas, wie den Aufmacher in der aktuellen Spiegel-Ausgabe. Da wird „meine“ Generation analysiert, die im Grunde aus lauter pragmatischen Wohlstandskindern mit am zipfelhängendem Sicherheitsklammerautomatismus bestehen soll. Und am Alexanderplatz fahre ich anschließend an einem riesigen Werbeplakat vorbei, in der mich ein Handy-Hersteller dazu auffordert: „Richte Dir Dein Leben ein“. Später erzählt mir ein Journalist mit stolz geschwellter Brust, er würde jetzt bei einer Online-Redaktion anfangen. Und nach einigen Fragen stellt sich heraus, dass er ein Sitzjob haben wird, bei dem er einfach gekaufte Texte reinstellen wird. Eine ungemein intellektuelle Herausforderung unter dem Motto „we change the game“. Ui.

Und dann bin ich doch recht froh, dass mein Arbeitsentwurf nicht in die vorkonfektionierte Benutzeroberfläche eines Handys passt.

Gut ausgedrückt

Das sind keine Steine mehr. Dieses Mal sind das Mauern, überall. Und davor Gräben.  Ich werde mich vom Journalismus verabschieden.

Ich sag’ schon mal tschüß…

On Reset

Da saßen wir abends in der Kültürzeit und ich kippte mittlerweile den zweiten oder dritten Wein herunter, fokussierte mein Gegenüber und fragte zum dritten Mal: Hast Du Dir das auch gut überlegt?! Das mit dem freien Journalismus? Und dann redete ich selbst, viel zu viel, obwohl ich mir vorgenommen hatte, der jungen Anwärterin im Club-der-Ahnungslosen-ergo-Freischaffenden nicht das zu erzählen, worauf ich selbst erst nach harten und schmerzhaften eigenen Erfahrungen gekommen bin. Keine Abkürzungen für die Anderen! Dachte ich. Macht eure Erfahrungen selbst! Sagte ich mir noch am Nachmittag.

Und dann saß ich da und erzählte ihr fast alles, sozusagen in Eigen-Gesprächstherapie. Und das tat so gut das mal jemandem zu erzählen. Es ist ein Automatismus, den ich bei meinen Interviews gerne nutze – jeder Mensch möchte eigentlich nur seine Geschichte erzählen. Und manchmal gehört es für den Haltlosen, seine Geschichte ganz zufällig dem auszuschütten, der gerade da ist.

Ich habe festgestellt: Es hat sich so vieles, vieles verändert. Dabei ist so vieles aber auch gleich geblieben. Die Unsicherheit, zum Beispiel. Der Kampf mit sich selbst, den eigenen Launen, wenn es um das einfache Hinsetzen und Themenrecherche und Redaktionspflege geht. Die (fast) tägliche Überwindung, den Wert der eigenen Arbeit auszuloten. Und das nicht mit dem Selbstwert zu verwechseln, wenn man sich (mal) wieder billiger hergibt, als es gut tut. Und dass alles irgendwo gut ist, weil es die eigene Entscheidung war.

Eigenmotivation

Da schaue ich am liebsten Wohnungen im Internet. Nichts motiviert mehr. Und was es nicht alles gibt, hach! Ich ziehe nach Wedding! Demnächst. Ganz bestimmt.

Nur weg von denen allen II

Jawohl. Schreibe Bewerbungen. Heute werde ich Videojournalistin. Immerhin lief mein Film schon beim RBB. Und bei einer Filmfachzeitschrift arbeite ich auch. Dann kann ich auch Produkt- und Imagefilme machen. Jawohl.

Nur weg von denen allen

Jawohl. Schreibe Bewerbungen. Es ist eigentlich nur eine Bewerbung, weil ich heute nur diese eine gefunden habe. Aber immerhin. Halbtagsstelle. Öffentlichkeitsarbeit zur Stärkung des Mitspracherechts für Frauen. Ich werde jetzt das System von innen aufräumen. Ich fordere ja sowieso geschlechterneutrale und leistungsbezogene Honorierung, dann kann ich das auch für einen Verband machen. Übrigens gibt es in ganz Friedrichshain keine Bewerbungsmappen mit Doppelschiene mehr. Ausverkauft. Ogottogottogott…

Trotzdem erstmal meine Papiere zig Mal kopiert, um für künftige Bewerbungen Munition zu haben. Dem unglaublich aufregenden Typen im Copy-Shop wieder begegnet. Deshalb bin ich zu dem Schluss gekommen: muss öfter Bewerbungen schreiben. Und öfter kopieren gehen. Jawohl.

Wütend wüten

Ich habe so eine Wut im Bauch, schon früh am Morgen.

Wenn hier heute noch mal jemand anruft, der will, dass ich umsonst arbeite – den werde ich mit Haut und Haaren verschlingen. Volle Kanne.

Wahrscheinlich schreibe ich noch schnell die Kurzmeldungen für die nächste Zeitschriftenausgabe fertig (für 6 Euro die Stunde) und fahre zu meinem Bürojob (für 8,20 Euro die Stunde). Bin ja vernünftig. Und so doof. Habe ich schon erwähnt, dass ich wütend bin? Und treudoof, naiv, vertrauensselig…?

Nein?!

Humbug

Aus der Seele. On Bullshit.

via sinequanon2010-Kommentar

Idealistischer Arbeitgeber gesucht

So wie es läuft, kann es nicht weitergehen. Es ist Zeit, den eigenen Wert neu auszuloten. Irgendwie fühle ich mich immer mehr wie in einem Schraubstock, wo man aus mich auszupressen versucht was geht. Und irgendwie geht das ja auch nur, weil ich es auch zulasse.

Ist es wirklich so, dass ich Rubriken füllen muss für 200 Euro im Monat? Kann sich mein Chef wirklich nicht mehr leisten? Oder leistet er es sich, weil ich es mir leiste, für diesen Preis zu arbeiten? Bin ich bereit, den Job aufzugeben und einen 800-Euro-Bürojob anzunehmen?

Ist das noch wirklich Idealismus, wenn ich so weitermache wie bisher?

Gekreuzte Wege

Manchmal möchte ich mein Karma packen, schütteln und fragen: Hat wohl einer seine Tabletten nicht genommen, was!?

Gestern auf der Geburtstagsfeier einer guten Bekannten gewesen. Ich unterhielt mich mit einer jungen Frau in meinem Alter. Sie sagte von sich, sie sei eigentlich Schauspielerin, jedoch arbeitet sie seit zwei Jahren als Redakteurin für eine Fernsehproduktionsfirma.

Irgendwie fanden wir im Laufe des Gesprächs heraus, dass sich unsere Lebensläufe in den letzten zwei Jahren bemerkenswert parallel entwickelten, da wir gemeinsam zur gegebenen Zeit an denselben Knotenpunkten standen, uns aber jeweils für einen anderen Weg entschieden.

Wie etwa, dass ich vor zwei Jahren ein Stück rezensierte, in dem sie die Hauptrolle spielte. Es sollte ihr letzter Auftritt sein, denn danach schmiss sie frustriert hin und suchte sich ein Praktikum bei der Fernsehproduktionsfirma S. Seitdem arbeitet sie auf drei-Monats-Verträgen, aber eigentlich mit (fast) gesichertem Einkommen.

Auch ich kennen die Produktionsfirma, denn einst hatte ich dort nach dem Abschluss meines Diploms ein Praktikum angefangen. Allerdings schmiss ich das frustriert hin, da man mich acht Stunden am Tag vor dem PC zu (mir bis heute) unklaren Recherchezwecken geparkt hatte. Und als ich von meiner Mitpraktikantin erfahren hatte, dass sie gerade Hartz IV beantragt und man ihr eine Aufwandsentschädigung für das Praktikum abgeschlagen hatte, konnte ich sie überreden, mit mir gemeinsam die Firma zu verlassen. Das taten wir dann am dritten Tag.

Seitdem habe ich ein Aufbaustudium hinter mir und arbeite frei. Mit meist leeren Taschen und ungesicherter Zukunftsprognose – aber der Möglichkeit, atmen zu können.

Nächste Seite »



Follow

Get every new post delivered to your Inbox.